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© Zofinger Tagblatt | Ausgabe vom 19.08.2008


Das Rathaus als Kontaktstelle zur Kunst
Aarburg
Die Bevölkerung kommt in Berührung mit Werken einheimischer Künstler

Wer jetzt eine Dienststelle der Aarburger Verwaltung besucht, begegnet in den Korridoren und Vorzimmern Bildern, die von der eigentlichen Besorgung ablenken und von der profanen in eine virtuelle Welt entführen.

KURT BUCHMÜLLER

Einiges in den Gemälden scheint vertraut, auch wenn vorher dieser Winkel in der Aarburger Altstadt kaum beachtet wurde. Anderes ist ungegenständlich und lockt den Blick durch das bewegte Spiel der Formen und Farben an. Es sind gegensätzliche Kunstwelten, die hier aufeinandertreffen. Gemeinsam ist den Urhebern der Kreationen, dass sie eine enge Beziehung zu Aarburg haben und das berufliche Umfeld verliessen, um der Fährte zur Sinnfindung in der Kunst zu folgen. Die Rede ist von Peter Richner und Frieda Walser.

Auf Umwegen zur Kunst
Die sehr gut besuchte Vernissage am Freitagabend wurde von Therese Burkhalter mit Vorträgen auf der Panflöte umrahmt. Hans Bleiker öffnete den Zugang zu Peter Richners Bildern durch dessen Biographie. Er sehe ihn heute noch vor sich, wie er vor dreissig Jahren ein Bild von Cedric Meyer betrachtet habe und sich daran nicht sattsehen konnte. Damals sei der Entschluss gereift «ich will, nein, ich muss es versuchen». In der Schulzeit habe er sich zwar eher für die technischen Fächer als für das Zeichnen interessiert und danach den Spenglerberuf erlernt und die Technikerschule besucht, sich aber vom Berufsleben nicht völlig ausgeschöpft gefühlt. Den Ausgleich habe er im Radfahren und in der Musik gesucht und gefunden, das sei für ihn auch Seelenpflege gewesen.

Vor etwa fünfzehn Jahren habe sich dann Peter Richner autodidaktisch mittels Fachliteratur der Malerei genähert und Grundlagenkurse besucht. Das habe aber nicht genügt, es drängte ihn nach Inspiration, nach einer Muse. Erst die Einführung in die Malerei durch Cedric Meyer habe die Wende gebracht, das habe Peter Richners Hand und Geist gelockert; er habe gelernt, loszulassen und nach seinen Empfindungen zu malen. Und diese kommen denn auch in seinen Aquarellen zum Ausdruck. Er sieht «sein» Aarburg im Dämmerschein des Abends in gebrochenen und verhalten abgetönten Farben, er leuchtet den Zauber eines stillen Winkels aus und fängt die Harmonie von Natur und Landschaft ein. Die Motive seiner Bilder treten still und leise in Erscheinung, sie enthalten bei aller Wirklichkeitstreue einen Schimmer von verträumter Romantik.

Das kann nicht alles gewesen sein
Ähnlich verlief der Werdegang von Frieda Walser, allerdings mit gänzlich anderem Ergebnis. Wie sie den Weg zur Kunst fand, beschrieb anschaulich und hautnah ihr Gatte Robert. Frieda Walser blieb bis zu ihrer Pensionierung Lehrerin im Textilen Werken. Dies bedingte eine ständige Weiterbildung in der kreativen Verarbeitung des Materials. Frieda Walser tat aber mehr, sie besuchte während drei Semestern die Kunstgewerbeschule Bern, wo sie Kurse in Aquarell und Collage belegte. Nach der Pensionierung besann sie sich ihrer künstlerischen Neigungen und fühlte einen Nachholbedarf, das könne ja nicht alles gewesen sein. Sie wurde auf die Encaustic-Technik aufmerksam, vertiefte die Kenntnisse darüber an der Universität Basel und begann zu experimentieren.

Das Encaustic Painting (Heisswachs-Malerei) hat seinen Ursprung im alten Ägypten. Die Wachsfarben werden mit einem bügeleisenförmigen Gerät auf den Malgrund aufgetragen, was ihnen eine ungewöhnliche Strahlkraft und Haltbarkeit verleiht.

Die aus Empfindungen genährten Bilder entstehen durch das Zusammenwirken von Zufall und ausgefeilter Technik. Geist und Hände von Frieda Walser formulieren daraus Werke, in denen Begriffe wie «Geborgen», «Feuerwerk», «Faltenwurf» und andere versinnbildlicht werden. Das Hauptwerk «Vier Jahreszeiten» besteht aus quadratischen Flächen in abgestuften Blau-, Gelb-, Rot- und Bunttönen, die miteinander ein faszinierendes Zusammenspiel eingehen.
Die Ausstellung im Rathaus ist bis am 10. Dezember werktags während der Bürozeiten geöffnet.

 

 

Frieda Walser an Ihrer Ausstellung im Rathaus

 

VIER JAHRESZEITEN Mit den intensiven Farben des «Encaustic Paintings» (Heisswachs-Malerei)
und in aussagekräftiger Bildersprache charakterisiert hier Frieda Walser den Wechsel der Jahreszeiten.
KBB